DER HISTORISCHE WEG IN GUNTMADINGEN
 

Quelle: SCHAFFHAUSER NACHRICHTEN

Donnerstag 26. Juni 2003, Karrgeleise im Oberklettgau freigelegt HISTORISCHER VERKEHRSWEG: ERZWEG

Historische Verkehrswege sind in der Regel Saumwege in den Alpen. Der Erzweg in Guntmadingen gehört auch dazu. Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz IVS ist ein weltweit einmaliges Unternehmen. Im Auftrag des Bundes erstellt die Fachorganisation ViaStoria eine kartografische und beschreibende Bestandesaufnahme aller Strassen und Wege, die aufgrund ihrer historischen Verkehrsbedeutung oder der erhaltenen historischen Bausubstanz von nationaler Bedeutung sind. Im Jahr 2003 findet das Projekt nach 20 Jahren Arbeit seinen Abschluss. Über den Stand des Inventars informierte gestern Nachmittag Andres Betschart von der ViaStoria im Beisein von Kantonsförster Bruno Tissi, Gemeindepräsident Hans Schwaninger, Forstreferent Thomas Schwaninger, Kantonsschullehrer Markus Kübler und Kantonsarchäologe Markus Höneisen.


Grund für die Medieninformation bot zum einen das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz und zum anderen die Freilegung der rund 400 bis 500 Meter langen «Häminghalde» oberhalb von Guntmadingen. Unter der Leitung der Fachorganisation ViaStoria, begleitet durch die Kantonsarchäologie und unterstützt durch die Oberklettgauer Gemeinde, schaufelten 24 Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler den einstigen Erzweg frei. Seine Anlage im Fels, der Erhaltungszustand und die Erkennbarkeit seiner Funktion führten zur Einstufung als ein Objekt von nationaler Bedeutung im IVS.


Altersbestimmung schwieriger

Beim Objekt oberhalb von Guntmadingen handelt es sich um ein so genanntes Karrgeleise. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Strasse, die aufgrund von Fundmaterialien in der Kofferung datiert werden kann, ist die Altersbestimmung von Geleisestrassen, wie sie beim Bohnerzabbau in drei Phasen von etwa 1678 bis 1850 entstanden, ungleich schwieriger. Dies vor allem deshalb, weil hier keine vergleichbare archäologische Untersuchung gemacht werden kann. Sowohl Bruno Tissi als auch Markus Höneisen sowie die Gemeindevertreter erachten es als Glücksfall, dass die Region aufgrund ihrer Geschichte eine nationale Bedeutung erhält.

Nach einem archäologisch und wirtschaftlich historischen Rückblick in die Anfänge der Industrialisierung, in welcher im Klettgauer Wald arbeitsmässig «der Teufel geherrscht haben muss», so der Kantonsarchäologe, konnte die äusserst steile und von der Kantonsschulklasse freigelegte Geleisestrasse vor Ort besichtigt werden.


Auch in oberen Kantonsteil

Klassenlehrer Markus Kübler, der bereits vor 20 Jahren einen Vorstoss unternommen hatte, um ein solches (jedoch abgelehntes) Projekt durchzuführen, freute sich ganz besonders, dass seine Klasse, welche aus in der Ausbildung zu Primarlehrerinnen und -lehrern stehenden Quereinsteigern besteht, den starren Geschichtsunterricht im Massstab eins zu eins erleben durfte. Gleichzeitig bedeutete für die Teilnehmenden ihre dreitägige Arbeit mit Schaufel, Pickel und Besen, etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit geleistet zu haben.

Nachdem Laub, Dreck und Steine weggeräumt waren, kam stellenweise sehr gut sichtbar das Karrgeleise aus vergangenen Zeiten zum Vorschein. Dieses besteht aus zwei parallelen, durch das enorme Gewicht des Transportgutes eingefurchten Rillen. An gewissen Stellen sind die Furchen nur gerade wenige Zentimeter hoch, erreichen stellenweise aber auch Höhen von einigen Dezimetern. In Guntmadingen wurde eine Spurbreite von 137 cm ermittelt, welche wiederum einzigartig ist und lediglich im Kanton Solothurn in dieser Form vorkommt. Ansonsten waren die bisher eruierten Wagenbreiten in aller Regel deutlich schmaler.

Gleichzeitig wirft das Karrgeleise aber auch geschichtliche Fragen auf, welche nun die Kantonsarchäologie anhand weiterer Untersuchungen zu klären versucht, um später über die Geschichte des Bohnerzabbaus und seine Verkehrswege noch detailliertere Angaben machen zu können.

Neben dem Karrgeleise in Guntmadingen gibt es im Kanton Schaffhausen noch zwei weitere morphologisch-nationale Objekte: Das eine ist das Hohlwegsystem im Aufstieg zur Steiner Burg Hohenklingen, das andere die Ramser Steig zwischen dem gleichnamigen Dorf und dem deutschen Gailingen.

FREILEGUNGSARBEITEN
Bilder
finden sie unter DORFLEBEN in der Galerie Historisches